Novelle

Autorisierte Übers. aus dem Jap. von Adolf Wendt

147 S., geb. mit Lesebändchen

ISBN 3-9809022-1-8

38,00 €

Shun’u Nakamura

Sterne der Hoffnung

Tokyo, um das Jahr 1900. Dem jungen Kandidaten der Theologie Kotaro Shido kommen starke Zweifel am christlichen Glauben. Sein aus Südjapan stammender Ziehvater, Pastor Torikai, ein zum Paulus gewandelter Samurai, der nun in Tokyo und Yokohama mit demselben unerbittlichen Eifer, mit dem er einst für den Tenno zu kämpfen und zu sterben bereit war, für das Reich Gottes missioniert, verweist ihn des Hauses und verwehrt ihm die lange versprochene Hand seiner Tochter Chie. Shido schließt sich aus Verzweiflung einer Gruppe in ärmlichen Verhältnissen lebender Studenten an und verdient fortan sein kümmerliches tägliches Brot durch Rikschaziehen. Unterdes hat auch Chie einen Kampf mit ihrem Vater auszutragen; der will sie nämlich, um Gelder für die Kirche zu akquirieren, einem wohlhabenden, zur Konversion bereiten Eta = Paria zur Frau geben, einem „Neubürger“ (shin-heimin), wie es seit 1871 euphemistisch hieß.

 

Die erste deutsche Übersetzung einer modernen japanischen Erzählung überhaupt!

Zuerst 1904 bei Gebauer-Schwetschke (Halle an der Saale).

 



Shun’u Nakamura

(Pseudonym des bekannten Theaterschriftstellers Kichizo Nakamura, 1877–1941). Verfasste in seiner Frühzeit, der »Shun’u-Phase«, ca. 60 Erzählungen und Romane, in denen er sich vorwiegend mit Fragen des (christlichen) Glaubens und Zweifelns auseinandersetzte, stets mit einem kritischen Seitenblick auf den kulturellen Jahrmarkt und die sozialen Diskrepanzen der rasanten Jahre des ausgehenden 19. und des einsetzenden 20. Jahrhunderts, in denen Japan im Bemühen, den Westen einzuholen, lernte, nach vorn und nach hinten zugleich zu schauen.



Pressestimmen

»Was das Buch dem Leser vorführt, sind Leute, die vor Schweiß stinken, Studenten, die ekelhaften Schnapsgeruch ausatmen und von Läusen strotzen, ein Pastor mit eingefallenen Wangen und allzulang hervorgesproßten Bartstoppeln, der schweißbedeckte graue Taschentücher aus der Tasche holt und sich rund herum über seine fleischige Brust wischt, in seinen Zähnen stochert und mit ›Dummkopf‹ um sich wirft, japanische Fahrgäste, die den Wagenzieher mit Kerl, Dummkopf, Rindvieh anschreien, Schüler, die in verrufene Häuser fahren, fanatische Tenrikyo-Gläubige, die Straßenprediger mit Steinen blutig werfen, Kurumayas, die jeden anderen, nicht zu ihrer Gilde gehörigen, der in ihr Revier kommt, mit Prügeln traktieren usw.usw.« (Pfarrer Dr. Hans Haas, Tokyo, 1905.)