Zwei Erzählungen

Vom Versuch, einen Glücksgott loszuwerden / Flußbettlibrett

Aus dem Jap. von Katja Cassing u. Jürgen Stalph

172 Seiten / geb. mit Schutzumschlag

Fadenheftung, Leseband, dt. Erstausgabe

ISBN 978-3-944751-09-2 

Ko Machida

Vom Versuch einen Glücksgott loszuwerden

Seit drei Jahren ohne Arbeit, weil Arbeit keinen Spaß macht, und seit drei Tagen ohne Alkohol, weil der einen fertigmacht und aufschwemmt, obwohl ein Schlückchen natürlich nicht schlecht wär, nur: woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die liebe Ehefrau ist weg, die Wohnung leer bis auf einen kleinen Glücksgott aus Metall, der plötzlich ungeheuer nervt und weg muss, noch heute, stante pede, sofort. Aber ein Gott ist ein Gott, den kann man nicht einfach in die Mülltonne entlassen oder am Bahnhof ins nächste Blumenbeet stellen. Oder doch?

So beginnt der Punkrocker Ko Machida sein literarisches Debüt, seinen Graßhoff im Bellman-Rausch, purple verhazed (acting funny, and knowing why), eine hochkomische Achterbahnfahrt, ein sorgfältig komponiertes Sprachfeuerwerk, überhäuft mit so gut wie allen Preisen, die das Land zu bieten hat. Weil eben: grandios.



Ko Machida

geboren am 15. Januar 1962 in Sakai (Präfektur Osaka); Musiker (Punk-Rock), Schauspieler, Schriftsteller. Prosadebüt 1996 mit Kussun daikoku (»Vom Versuch, einen Glücksgott loszuwerden«); seither zahlreiche Romane, Essay- und Lyrikbände; ausgezeichnet mit allen wichtigen Literaturpreisen Japans, u. a. dem Noma Newcomer Preis (1997), dem Akutagawa-Preis (2000), dem Hagiwara Sakutaro-Preis (2012), dem Kawabata Yasunari-Preis (2002), dem Tanizaki Junichiro-Preis (2005), dem Noma-Literaturpreis (2008).



Pressestimmen

Grotesk und begeisternd. Eine übersetzerische Meisterleistung.

(Katharina Borchardt, Deutschlandfunk)

 

Ertrunkene Primaten im Schnellimbiss, verschollene Oktopus-Performancekünstler und Reisen durch ein abgewracktes Japan: Mit VOM VERSUCH EINEN GLÜCKSGOTT LOSZUWERDEN ist erstmals ein Werk des Schriftstellers Ko Machida in deutscher Sprache erschienen. Es begeistert mit Punk-Attidtüde, Dialogwitz und einem Gespür für die Absurditäten des menschlichen Daseins. (...) 

Beide Geschichten entwickeln von Anfang an eine Sogwirkung. Machidas lakonische Erzählweise und seine spöttischen Charakterzeichnungen sorgen für reichlich Kurzweil. In formvollendeten, nicht selten alkoholgeschwängerten Dialogen erklimmen seine Protagonisten den Gipfel der Flunkerei und erheben den Unsinn zur Kunstform. (...) 

Mit dem Glücksgott wurde das Werk eine Autors übersetzt, der ganz andere Akzente setzt als etwa ein Haruki Murakami. Man könnte Machidas abgeranztes Gegenwartsjapan voller Baubrachen, trister Einkaufsstraßen und stinkender Fischernetze geradezu als ein Gegenbild zu Murakamis Welt bezeichnen – einer Welt der stylishen Jazzbars, der Markenartikel und der durchtrainierten Männer um die dreißig, die keine finanziellen oder gesundheitlichen Nöte plagen.

Das Werk profitiert außerdem von einer hervorragenden Übertragung ins Deutsche. Die Übersetzerin Katja Cassing und der Übersetzer Jürgen Stalph haben sich mit Bravour durch ein eigentlich unübersetzbares Kalauergestrüpp gekämpft; beide Geschichten sprühen vor Dialogwitz. Man kann nur hoffen, dass bald weitere Werke von Machida in deutscher Sprache folgen werden. Nach den Erzählungen im Band, die bereits Mitte der 1990er Jahre entstanden sind, hat der Autor noch eine Menge zu Papier gebracht.

(Michael Streitberg, Tanuki Republic)